Vorstellung der Arche

VORSTELLUNG DER ARCHE bei einem interspirituelen Treffen im August 2013

Die Arche-Gemeinschaft, Gewaltfreiheit und Spiritualität, möchte Gewaltfreiheit in allen Bereichen des Lebens umsetzen, sei es im Alltäglichen, bei der Arbeit, in Beziehungen, im politischen Engagement und im spirituellen Leben.

Gewaltfreiheit beginnt mit der Achtung: Achtung vor sich selbst, Achtung vor dem Anderen in seiner Verschiedenheit, Achtung vor der Erde, die uns anvertraut wurde.

Ein anderes Wort für Gewaltfreiheit ist Einheit: Einheit von Denken und Handeln, Handeln in Übereinstimmung mit dem, was ich bin und was ich glaube.

Die erste Arche-Gemeinschaft wurde 1948 gegründet.

Damals hatte Lanza del Vasto eine Gruppe junger Enthusiasten um sich vereint, mit denen er seine Gedanken und Ideen geteilt hat; inspiriert von seinem Aufenthalt in Indien und der gemeinsamen Zeit mit Gandhi. In unserer heutigen Sprache könnte man von einer Gruppe sprechen, die davon träumte, ein schöneres und tiefergehendes Leben zu führen. in eine bessere Richtung weisend, als das gängige Gesellschaftsmodell es anbietet. Sie träumten davon „anders zu leben“.

Der Tod Gandhis war Auslöser, diese Träume umzusetzen. Dabei war nicht Lanza (der von Gandhi den Namen  „Shantidas“ / „Diener des Friedens“ bekommen hatte), die treibende Kraft, sondern die Menschen in seiner Nähe. Als sie die Nachricht von Gandhis Tod erhielten, haben sie das „kairos“ gespürt, das im griechischen den „richtigen Moment zum Handeln“ bezeichnet. Sie sind zu Lanza gegangen und haben ihm gesagt: Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, lass uns anfangen. So war am Anfang die Arche ein gemeinsames Werk, ausgehend von der Inspiration eines einzelnen Menschen. Aber ein Mensch alleine hat noch nie gereicht, eine Gemeinschaft zu gründen.

Wenn ich an diese Zeit denke, spüre ich eine große Bewunderung, einen großen Respekt und eine große Dankbarkeit diesen Menschen gegenüber, die alles hinter sich ließen, um so zu leben, wie sie es für richtig hielten. Es waren überwiegend Intellektuelle, wie auch Shantidas selbst, und aus ihnen wurden Handwerker, Bauern, Maurer, Bäcker, Weber und sie mussten alles neu lernen. 

Zu dieser Zeit gab es noch nicht die vielen Techniken die wir heute haben: gewaltfreie Kommunikation, Konfliktbewältigung, gruppendynamische Prozesse, psychologischen Erkenntnisse über Persönlichkeit …

Sie hatten nur ein einziges Beispiel: die katholischen religiösen Gemeinschaften. Meinem Wissen nach war die Arche das erste Gemeinschaftshaus von Familien und Alleinstehenden in Frankreich, und die erste Laiengemeinschaft.

Während vieler Jahre haben sie experimentiert: sie haben Fehler gemacht, sie haben gelitten und Leiden geschafft. Viele sind gegangen, andere sind geblieben und wieder andere sind hinzugekommen. Und das Lernen ging weiter und auch heute lernen wir noch immer.

Mir erscheint es außergewöhnlich, dass es uns immer noch gibt. Heute würde ein Gemeinschaftsprojekt auf dieser Basis fast scheitern müssen. Aber dieses Abenteuer hat vor 65 Jahren begonnen und dauert noch an, wenn auch mit neuen Formen.

Heute sehe ich den prophetischen Charakter von Shantidas und seinen Gefährten deutlicher als je zuvor. Die Arche war Vorreiter in Bereichen, die damals ganz neu waren und in der heutigen Gesellschaft unumgänglich geworden sind:

*Einfacher Lebensstil, empfunden als Mahnung an unsere Verantwortung gegenüber einer zerstörerischen Konsumgesellschaft und für eine Postwachstumsökonomie

*Suche nach Einheit von Denken und Handeln, welche uns hilft, unser Handeln richtig auszurichten und Lebensentscheidungen zu treffen, die unserem Leben und Tun einen Sinn geben.

*Gütekräftige Beziehungen, in der der Andere als Bruder oder Schwester erlebt wird, mit dem man zusammen kooperiert und nicht als Feind oder Konkurrent.

*Einsatz für mehr Gerechtigkeit und Frieden, verwurzelt in der Überzeugung, dass die persönliche Veränderung der gesellschaftlichen Veränderung vorausgeht. Dies wird durch unsere Gegenwart in den Konflikten von Heute verwirklicht. Die Arche hat die ersten gewaltfreien Aktionen in Frankreich geführt und setzt sie bis in die Gegenwart fort, im Kampf gegen genveränderte Organismen und dem Widerstand gegen den Flughafen Notre Dame des Landes bei Nantes. 

* Kultur des Gemeinschaftslebens, so notwendig um den gesellschaftszerstörenden  Individualismus hinter sich zu lassen. Die Arche hat ein radikales Gemeinschaftsmodell gewagt, sie experimentiert und versucht ein alternatives Gesellschaftsmodell zu entwickeln, in der die Suche nach dem gemeinsamen Wohl aller  das wesentliche Element ist.  

* Konsensentscheidungen für alle Entscheidungsprozesse stärken die Verantwortung, verhindern eine blinde Unterordnung und helfen dem freien Denken.

* Einheit des Lebens widersetzt sich der Zerstreuung und Zerstückelung des Lebens in unserer Zeit

Und zum Thema unseres heutigen Zusammenseins :

*Achtung vor der Verschiedenheit des Anderen, insbesondere in Bezug auf die Spiritualität und religiöse Versöhnung. Da dies unser heutiges Thema ist, möchte ich vorlesen, was in unserem Gründungsdokument über „Innere Wandlung und Spiritualität in der Beziehung“ geschrieben steht.

 

Die Arche respektiert in jedem Menschen die spirituelle Dimension, unabhängig von seiner Konfession oder Religion. Ausgehend von den großen Weisheitslehren weist sie einen Weg zum Erkennen von und zum bewussten Umgang mit der eigenen Person und zum Dienst am Nächsten. Sie ermutigt ihre Mitglieder zu einfachen Übungen, um gegenwärtig zu sein; Hinwendung zu und Offenheit für den Anderen, Dienen und Gastfreundschaft; die Hinwendung zur Gegenwart des „ganz Anderen“ in Gebet und Meditation. Sie lädt jeden dazu ein, seine innere Einheit auf verschiedenen Wegen zu finden, im Fasten und Schweigen, Singen und Tanzen, im künstlerischen Schaffen und der Handarbeit, in Körper-, Atem- und Entspannungsübungen. Ganz besonders im Fest findet die Einheit der Gemeinschaft ihren Ausdruck.

Die Arche kann heute - mehr als je zuvor – für unsere Zeit hilfreich sein. Wir sind uns beinahe schmerzhaft bewusst, was unsere Welt heute benötigt. Nämlich den engagierten Einsatz für den Erhalt des Sinn des Lebens, für Menschlichkeit. Und wir engagieren uns in diesem Kampf für mehr Leben und mehr Menschlichkeit.

Wir sind nicht sehr zahlreich, unsere Kräfte sind begrenzt, wir sind uns unserer Verletzlichkeit bewusst. Aber wir wissen auch um unsere Stärken, unseren Wunsch Gott zu dienen, unabhängig davon welchen Namen wir ihm geben, damit sein Werk auf Erden sich verwirklichen kann.

Ich glaube, dass die Arche 65 Jahre besteht, weil sie sich leiten lassen konnte. Wir konnten es wagen, unsere Segel aufzustellen um zu den unbekannten Ufern zu gelangen, die jetzt vor uns liegen. Jeder Zeit wohnt ihr eigener Geist inne, und wir können ihm lauschen für unsere Arbeit einer gleichzeitigen Öffnung und Vertiefung. 

Wir sind dazu aufgerufen, Mitbegründer zu werden, uns in die Dynamik eines ständigen Neubeginns einzubringen: in dieser, uns anvertrauten Welt. Jeder von uns, ob jung oder alt, gesund oder krank, hat hierin seinen Platz. Jeder von uns ist wichtig.

Die Arche-Gemeinschaft wird so lange lebendig bleiben, wie ihre Mitglieder ihren Platz in der Menschheit  mit Liebe, Verantwortung und Hoffnung ausfüllen.

Die heutige Zusammenkunft ist ein Beispiel dieser Kreativität.

Im Namen der ganzen Arche-Gemeinschaft möchte ich den anwesenden religiösen und spirituellen Gemeinschaften danken. Sie haben uns mit Ihren Überzeugungen bereichert, die auch wir in ihrer Tiefe teilen können.

Ich möchte auch von ganzem Herzen der Regionalgruppe Süd-West danken, die uns hierher eingeladen hat um das uns Verbindende zu feiern.

Habt Dank für dieses Schöne, habt Dank für Alles was uns gegeben ist!

Margalida Reus

Übersetzung : Nicole Chambon